Seit Freitag ist CoreWeave an der Börse notiert. Der erhoffte Mutmacher war das Debüt des KI-Profiteurs bislang aber nicht. Zunächst wurde der Börsengang reduziert, seither geht es für die Papiere im schwachen Marktumfeld weiter abwärts. Ein genauerer Blick auf den Start.
Am Freitag war es endlich so weit: Das US-Unternehmen CoreWeave vollzog sein mit Spannung erwartetes Initial Public Offering (IPO). Der erste große Tech-Börsengang des Jahres galt auch als Test für den Appetit der Investoren auf potenzielle neue Börsenstars.
Obwohl es am zweiten Handelstag zu früh für ein Resümee ist: Optimisten wurden in ihrer Euphorie gebremst. Dies begann schon vor dem eigentlichen Handelsstart der Aktie: CoreWeave musste Abstriche machen. Statt wie anvisiert bei 47 bis 55 Dollar lag der Ausgabepreis lediglich bei 40 Dollar. Obendrein bot das Unternehmen 37,5 Millionen Papiere an und nicht, wie geplant, 49 Millionen Anteile.
Start unter Ausgabekurs
Entsprechend sammelte CoreWeave mit dem IPO auch nur 1,5 Milliarden Dollar an, Schätzungen beliefen sich im Vorhinein auf bis zu 2,7 Milliarden Dollar. Von den 1,5 Milliarden Dollar entfiel die Hälfte auf drei große Investoren.
Chipentwickler Nvidia, bereits vor dem IPO an CoreWeave beteiligt, fungierte als Ankerinvestor für seinen Kunden. Ohne diese Unterstützung wäre das IPO nicht abgeschlossen worden, sagte CoreWeave-Chef Michael Intrator.
Zu 39 Dollar startete die Aktie am Freitag und damit nochmals unter dem gesenkten Ausgabekurs. Indikatoren schwankten vor dem Handelsstart zwischen 39,25 und 50 Dollar. Bis zum Handelsschluss gab es nur leichte Zugewinne. Die Broker-Firma Rosenblatt Securities bezeichnete den Start als „enttäuschend und entmutigend für den gesamten IPO-Markt“.
Im heutigen Handel steht die CoreWeave-Aktie mit dem breiten Markt unter Druck, notiert momentan bei rund 37 Dollar.
Profiteur vom KI-Boom
Das Unternehmen besitzt große Mengen an Grafikprozessoren (GPUs). Über eine cloudbasierte Plattform vermietet das Unternehmen Rechenleistung an Kunden. Im vergangenen Jahr explodierte das Geschäft, der Umsatz schnellte von 229 auf 1,9 Milliarden Dollar in die Höhe. Dabei stieg aber auch der Nettoverlust von 594 auf 863 Millionen Dollar.
Ein Treiber ist die verstärkte Verbreitung von künstlicher Intelligenz (KI). Mit Blick auf die Kursentwicklung der großen Tech-Werte zeigt sich: Die Euphorie rund um KI hat sich zuletzt etwas abgekühlt.
"Unternehmensspezifische Risiken"
Experten der Investmentbank D. Boral Capital lassen dies aber nicht als alleinige Erklärung für den schwachen Börsenstart von CoreWeave durchgehen: „Während einige den glanzlosen Börsengang als Indiz für eine nachlassende Begeisterung für KI-Aktien sehen, glauben wir, dass er eher die allgemeinen Marktbedingungen und unternehmensspezifischen Risiken widerspiegelt als eine grundlegende Änderung der KI-Nachfrage.“ 2024 entfiel 62 Prozent des Umsatzes von CoreWeave auf Tech-Schwergewicht Microsoft.
Auch Finanzdienstleister D.A. Davidson äußert sich vorsichtiger: „Uns ist nicht klar, wie das Unternehmen Wachstum erzielen kann, ohne neue Schulden zu machen, zumal der freie Cashflow 2024 ein Minus von sieben Milliarden Dollar aufwies und auch in diesem Jahr wahrscheinlich sehr stark negativ sein wird.“
Analysten haben sich mit der Aktie noch nicht ausgiebiger beschäftigt. Schätzungen für die künftige Geschäftsentwicklung liegen kaum vor. Beim Börsendienst Bloomberg gibt es erst eine Einschätzung von Analysten: Finanzdienstleister D.A. Davidson sprach eine Halteempfehlung mit einem Kursziel von 36 Dollar aus.
Fazit
Eine etwas abgekühlte KI-Euphorie, noch fehlende Gewinne und ein schwaches Marktumfeld mit verunsicherten Anlegern: Die Umstände für den Börsenstart von CoreWeave waren nicht ideal. Viel dürfte nun davon abhängen, wie schnell sich die Marktstimmung bessert, gerade für Tech-Werte. Ein Einstieg drängt sich vorerst nicht auf. Der enttäuschende Start von CoreWeave könnte derweil andere IPO-Kandidaten wie das Fintech Klarna dazu bewegen, ein verbessertes Marktumfeld abzuwarten.