Die Commerzbank hat einen Tag vor der Bilanzvorlage überraschend für 2025 ein Nettoergebnis von 2,63 (2024: 2,68) Mrd. Euro veröffentlicht. Dieses Ergebnis sei trotz hohem Restrukturierungsaufwand erzielt worden. Am Vortag hatte bereits Unicredit Rekordzahlen veröffentlicht - und Übernahmeabsicht bekräftigt.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sagte, mit dem Nettoergebnis von 2,63 Milliarden Euro habe man das eigene Wachstumsziel von 2,5 Milliarden Euro übertroffen. Ohne Restrukturierung wäre man beim Rekordwert von drei Milliarden Euro gelandet. 2025 sei ein "sehr erfolgreiches Jahr" gewesen. Die Dividende soll von 0,65 Euro auf 1,10 Euro steigen. Auch seien weitere Aktienrückkäufe geplant.
Die italienische Großbank Unicredit hatte bereits am Montag einen Rekordabschluss vorgelegt. Nach einem 2025er Gewinnanstieg um 14 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro wurden die Gewinnziele für die kommenden Jahre nach oben geschraubt. Demnach sollen 2026 elf Milliarden und 2028 13 Milliarden Euro erreicht werden. Zudem soll die Eigenkapitalrendite in diesem Jahr auf 20 Prozent steigen.
Unciredit-Chef Andrea Orcel hatte aus diesem Anlass auch klargestellt, dass die angestrebte Übernahme der Commerzbank auf der Agenda bleibe. Dabei ist die Commerzbank längst nicht das einzige Übernahmeziel, das die Italiener im Auge haben. Spekulationen zufolge hat Unicredit auch die Fühler nach Italiens Traditionsbank Monte dei Paschi ausgestreckt, Italiens viertgrößtes Institut. „Unicredit-Chef Andrea Orcel hat den Gewinn und den Börsenkurs von Unicredit nach oben getrieben, aber er hat noch keine große Akquisition getätigt. Dafür ist er aber geholt worden“, sagte der Mailänder Ökonom und Bankenexperte Stefano Caselli der „Börsenzeitung“.
Jetzt hat der Unicredit-Chef im Interview mit dem Sender CNBC bekräftigt, dass er die Übernahmeambitionen gegenüber der Commerzbank weiter vorantreibe, trotz Widerstands aus Frankfurt und Berlin. Ein Einstieg werde erfolgen, „wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen. Dann wird es auf die richtige Weise passieren“. Andernfalls gebe es genügend andere Projekte.
Im Übernahmekampf mit der Commerzbank läuft am 25. Februar eine entscheidende Frist ab. Dann sind sechs Monate vergangen, seit Unicredit bei der Commerzbank die Schwelle von 25 Prozent überschritten hat. Danach hat Unicredit laut Aktienrecht die Möglichkeit, bei Überschreiten von 30 Prozent eine Offerte ganz oder überwiegend mit eigenen Aktien abzugeben. In den sechs Monaten zuvor wäre bei Überschreiten der Schwelle ein Barangebot erforderlich. Laut Deutscher Bank könnte Unicredit gemäß den eigenen Kriterien bis zu 35 Euro je Commerzbank-Aktie bieten. Aktuell notiert die Commerzbank-Aktie auf diesem Niveau. Aus Sicht von Investoren müsste Unicredit noch eine Übernahmeprämie über diesen Kurs hinaus bieten, um mit der Offerte Erfolg zu haben.
Die Bank will außerdem in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Euro an die Aktionäre ausschütten, innerhalb von fünf Jahren soll sich der Betrag auf 50 Milliarden aufsummieren. Die Aktie quittierte diese Aussagen mit Kursgewinnen um vier Prozent und beflügelte damit den europäischen Bankensektor.
Fazit
Um die Commerzbank-Übernahme ist es in den vergangenen Wochen ruhig geworden. Und eigentlich hat Unicredit-Chef Orcel nichts Neues gesagt, sondern nur sein bisheriges Mantra wiederholt. Dass die Commerzbank mit einem Nettoergebnis von 2,63 Milliarden Euro 2025 ihr Gewinnziel übertroffen hat, sorgte am Dienstag für Kursgewinne bis zwei Prozent.
Die Bank gab außerdem bekannt, dass Risikovorstand Bernd Spalt seine Funktion zum Jahresende aufgibt. Spalt nannte dafür persönliche und familiäre Gründe. Die Bank teilte mit, sie habe mit der Nachfolgesuche begonnen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.