Unciredit-Chef Andrea Orcel hat bei der Vorlage der Jahreszahlen klargestellt: Die Commerzbank-Übernahme bleibt auf der Agenda. „Wenn es passt, langen wir zu.“

Dabei ist die Commerzbank längst nicht das einzige Übernahmeziel, das die Italiener im Auge haben. Spekulationen zufolge hat Unicredit auch die Fühler nach Italiens Traditionsbank Monte dei Paschi ausgestreckt, Italiens viertgrößtes Institut. „Unicredit-Chef Andrea Orcel hat den Gewinn und den Börsenkurs von Unicredit nach oben getrieben, aber er hat noch keine große Akquisition getätigt. Dafür ist er aber geholt worden“, sagte der Mailänder Ökonom und Bankenexperte Stefano Caselli der „Börsenzeitung“.

Demnach steht Orcel unter Druck. Jetzt hat der Unicredit-Chef im Interview mit dem Sender CNBC bekräftigt, dass er die Übernahmeambitionen gegenüber der Commerzbank weiter vorantreibe, trotz Widerstands aus Frankfurt und Berlin. Ein Einstieg werde erfolgen, „wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen. Dann wird es auf die richtige Weise passieren“. Andernfalls gebe es genügend andere Projekte.

Im Übernahmekampf mit der Commerzbank läuft am 25. Februar eine entscheidende Frist ab. Dann sind sechs Monate vergangen, seit Unicredit bei der Commerzbank die Schwelle von 25 Prozent überschritten hat. Danach hat Unicredit laut Aktienrecht die Möglichkeit, bei Überschreiten von 30 Prozent eine Offerte ganz oder überwiegend mit eigenen Aktien abzugeben. In den sechs Monaten zuvor wäre bei Überschreiten der Schwelle ein Barangebot erforderlich. Laut Deutscher Bank könnte Unicredit gemäß den eigenen Kriterien bis zu 35 Euro je Commerzbank-Aktie bieten. Aktuell notiert die Commerzbank-Aktie auf diesem Niveau. Aus Sicht von Investoren müsste Unicredit noch eine Übernahmeprämie über diesen Kurs hinaus bieten, um mit der Offerte Erfolg zu haben.

Die italienische Großbank hat bereits am Montag Rekordzahlen vorgelegt, die Rückenwind geben. So hat Orcel nach einem 2025er Gewinnanstieg um 14 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro die Gewinnziele für die kommenden Jahre nach oben geschraubt. Demnach sollen 2026 elf Milliarden und 2028 13 Milliarden Euro erreicht werden. Zudem soll die Eigenkapitalrendite in diesem Jahr auf 20 Prozent steigen.

Die Bank will außerdem in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Euro an die Aktionäre ausschütten, innerhalb von fünf Jahren soll sich der Betrag auf 50 Milliarden aufsummieren. Die Aktie quittierte diese Aussagen mit Kursgewinnen um vier Prozent und beflügelte damit den europäischen Bankensektor.

Fazit

Um die Commerzbank-Übernahme ist es in den vergangenen Wochen ruhig geworden. Und eigentlich hat Unicredit-Chef Orcel nichts Neues gesagt, sondern nur sein bisheriges Mantra wiederholt. Die Commerzbank-Aktie reagierte wie der gesamte Sektor am Montag mit leichten Kursgewinnen auf den Unicredit-Auftritt. Seit ihrem Hoch im August 2025 bei 38 Euro bewegen sich die Titel seitwärts. Morgen legt die Commerzbank ihre Zahlen vor. Analysten rechnen mit soliden Ergebnissen, aber kaum mit neuen Kurstreibern. Während Unicredit-Chef Orcel weiter auf der Lauer liegt.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.