Die Intel-Aktie hat in den letzten beiden Wochen einen völlig ungewohnten Höhenflug erlebt. Hintergrund sind frische Übernahmespekulationen sowie Signale der Trump-Regierung, dass man die heimische Halbleiterproduktion unterstützen wolle. Bereits im September 2024 waren Übernahmegerüchte um den wankenden Chip-Riesen aufgekommen.
Qualcomm war angeblich an Intel interessiert, wurde kolportiert. Doch die Spekulationen flauten ab.
Pat Gelsingers Bemühungen, einen Turnaround einzuleiten, scheiterten ebenfalls: Ende 2024 wurde der Intel-CEO überraschend in den Ruhestand verabschiedet. Ein Nachfolger wird weiterhin gesucht, ebenso wie ein Ausweg aus der Misere.
Unverhofft ist nun aber wieder Musik drin in der Intel-Aktie: zweistellig sprang der Titel nach oben, nachdem das Wall Street Journal berichtet hatte, die Wettbewerber Broadcom und TSMC seien an dem US-Halbleiterspezialisten interessiert, allerdings unabhängig voneinander.
Dem Bericht zufolge soll Broadcom ein Auge auf Intels Produktgeschäft geworfen haben. Hier werden Prozessoren für Computer und Server hergestellt. TSMC aus Taiwan soll laut Wall Street Journal überlegen, einige oder alle Fabriken der Amerikaner zu übernehmen, möglicherweise gemeinsam mit anderen Investoren.
Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Vertreter des US-Präsidenten Donald Trump einen Deal zwischen TSMC und Intel angeregt hätten: So sei dem Chip-Auftragsfertiger aus Taiwan eine Mehrheitsbeteiligung an Intels Produktionsstätten angeboten worden.
Realisieren sich die Gerüchte, würde das bedeuten, dass die einstige Nummer Eins der Halbleiter-Branche in zwei Teile aufgeteilt werden würde. Intel habe keine konkreten Angebote erhalten, und die Gespräche seien vorläufig und informell, so die Wirtschaftszeitung Wall Street Journal.
Intel steckt seit langem in der Krise. Das so genannte Foundry-Geschäft mit der Fertigung von Prozessoren für andere Unternehmen, das Ex-Chef Gelsinger forcieren wollte, kommt nicht recht in Fahrt. Hier ist TMSC führend. Viel hängt auch davon ab, wie erfolgreich die Massenproduktion von Intels Prozess 18A anläuft, die für dieses Jahr geplant ist. Die Kalifornier haben viel Geld für neue Fertigungsanlagen in die Hand genommen. Zwar konnte man unter anderem Microsoft als Kunden gewinnen, doch weitere Großkunden dürften nötig sein, damit sich diese Investitionen auszahlen.
Bei Halbleitern für PCs und Server dominiert Intel zwar noch, büßt aber zusehends Marktanteile ein. Insbesondere bei PCs hat AMD, früher der ewige Zweite hinter Intel, die Nase vorn.
Fazit
Einige Analysten halten eine Aufspaltung Intels für sinnvoll um Werte freizusetzen. Bedenkt man, dass die US-Regierung großen Wert auf einen US-amerikanischen Foundry-Betreiber legt, könnte eine Teilung sogar sehr wahrscheinlich sein. Auf einem Gipfel zu Künstlicher Intelligenz (KI) in Paris betonte Vizepräsident J.D. Vance kürzlich, die Trump-Regierung werde dafür sorgen, dass die leistungsfähigsten Systeme für KI in den USA mit in Amerika entwickelten und hergestellten Chips gebaut würden. Damit wolle man den Vorteil der USA sichern. Regulatorische Hürden und kartellrechtliche Bedenken aus China könnten allerdings einen Deal zwischen Intel und TSMC erschweren.