Seit Wochen kursieren Gerüchte über einen potenziellen Verkauf und eine Aufspaltung von Intel in einen Chipdesigner und eine Foundry, also einen Auftragsfertiger. Nun bekommen die Spekulationen neue Nahrung: TSMC soll ein Joint Venture vorgeschlagen haben, um Intels Fabriken zu übernehmen. Die Intel-Aktie reagiert mit einem Kurssprung von rund neun Prozent.

Konkret soll der taiwanesische Konzern auf die US-Konzerne Nvidia, AMD und Broadcom zugegangen sein mit dem Vorschlag, Intels Fertigungsstätten im Rahmen eines Joint Ventures zu übernehmen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und bezieht sich dabei auf vier Quellen, die mit der Angelegenheit vertraut seien. Demnach soll TSMC Intels Foundry-Bereich betreiben, aber nicht mehr als 50 Prozent daran halten. Der Chip-Riese soll auch Qualcomm ein Angebot unterbreitet haben. Die Gespräche sollen sich noch in einem frühen Stadium befinden. 

Vor einigen Wochen sollen Vertreter der Trump-Regierung TSMC gebeten haben, bei der Sanierung des kriselnden Intel-Konzern zu helfen, so die Quellen weiter. Einem wie auch immer gearteten Deal müsste die US-Regierung um Donald Trump zustimmen. Laut der Quellen will die Trump-Administration nicht, dass Intel oder die Foundry-Sparte vollständig in ausländischem Besitz sind. Im Gegenteil: Dem US-Präsidenten ist sehr daran gelegen, Hochtechnologie im eigenen Land zu halten und die Produktion in den USA zu stärken.

Leidgeplagte Intel-Anleger warten seit langem auf den Turnaround der einstigen Nummer 1 der Chip-Branche. Der Titel hat im letzten Jahr rund 50 Prozent verloren, das Unternehmen verbuchte 2024 einen Milliardenverlust. Unter anderem mit Einsparungen in Höhe von zehn Milliarden Dollar sowie der Streichung von über 15.000 Arbeitsplätzen versucht Intel, gegenzusteuern. Zudem wurde die Eröffnung eines neuen Werks in Ohio bis 2030 verschoben - es hätte eigentlich spätestens 2026 die Produktion aufnehmen sollen. 

Der große Konkurrent TSMC, dessen globaler Marktanteil bei fast 60 Prozent liegt, gibt hingegen richtig Gas: Vor wenigen Tagen verkündete der größte Chip-Auftragsfertiger der Welt Pläne, mehrere neue Werke in den USA sowie ein Forschungs- und  Entwicklungszentrum zu errichten. 100 Milliarden Dollar nimmt TSMC dafür in die Hand. 

Dass Broadcomm Intels Produkt-Designsparte übernehmen will, wie am Markt spekuliert, ist indes unwahrscheinlich: Man sei derzeit nicht an Käufen und Fusionen nicht interessiert, so Broadcom-Chef Hock Tan bei der Vorlage der jüngsten Zahlen. Man sei mit Investitionen in Künstliche Intelligenz und der Integration der übernommenen Software-Firma VMWare zu beschäftigt.

Intel (WKN: 855681)

Fazit

Ein Joint Venture wäre im Augenblick wohl das Beste, was Intel passieren könnte. Das Kursbild signalisiert, das Anleger darauf hoffen. Dennoch wagen nur Mutige eine Wette.