Bereits zweiten Mal innerhalb weniger Monate schlägt der DAX-Konzern in den USA zu, um das Geschäft mit Industriesoftware und KI-gestützten Anwendungen zu stärken: Für 5,1 Milliarden Dollar kauft der Industrie-Spezialist Dotmatics.
Die Firma aus Boston entwickelt Software für Wissenschaftler, die zur Erforschung und Entwicklung von Medikamenten eingesetzt wird.
Erst im Oktober 2024 hatte Siemens rund zehn Milliarden Dollar für Altair gezahlt, einen US-Anbieter von Software für industrielle Simulation und Analyse.
„Die Übernahme von Dotmatics ist Teil unseres Wachstumsprogramms ,One Tech Company‘, mit dem wir unsere führende Position im Bereich Industriesoftware ausbauen und unseren Kunden helfen, noch schneller innovativ zu sein“, kommentierte Konnzernlenker Roland Busch die jüngste Aquisition.
Siemens erwartet, dass Dotmatics sofort profitabel sein wird. Mittelfristig werden 100 Millionen Dollar pro Jahr an Umsatz erwartet, langfristig soll dieser Wert auf 500 Millionen Dollar gesteigert werden. Die Transaktion soll in der ersten Hälfte des nächsten Jahres abgeschlossen werden.
Derzeit gehört Dotmatics mit rund 800 Mitarbeitern und rund 14.000 Kunden in über 180 Ländern dem Finanzinvestor Insight Partners. Im laufenden Jahr erwartet der Software-Spezialist über 300 Millionen Dollar Umsatz bei einer Ebitda-Marge von über 40 Prozent. Dotmatics erwirtschafte außerdem einen Barmittelzufluss, hieß es weiter.
Die Software-Sparte der Münchner verzeichnete zuletzt steigende Umsätze. Schwach läuft dagegen die Sparte Digital Industries mit dem Automatisierunggeschäft. Hier sollen nun bis Ende September 5.600 Stellen wegfallen, 2.600 davon in Deutschland.
Unterdessen bewerteten Analysten die jüngsten Zukäufe des Technologie-Konzerns positiv. Sowohl die Dotmatics- als auch die Altair-Übernahme seien strategisch sinnvoll, kommentierte etwa Mark Fielding von der kanadischen Bank RBC. Dotmatics sei aber nicht günstig. Er beließ die Einstufung bei „Sector Perform“ mit Kursziel 245 Euro.
Die US-Bank Jefferies bezifferte die Bewertung auf das 39-fache des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. An der Börse rutschte der Titel am Donnerstag dennoch ab, auf Wochensicht gab die Aktie im schwachen Marktumfeld rund sieben Prozent nach.
Fazit
Die Konzentration bei Siemens auf Digitalisierung und KI-gestützte Software dürfte sich langfristig auszahlen. Kurzfristig hat sich das Chartbild allerdings eingetrübt.
Enthält Material von dpa-AFX