Auf magere Zeiten müssen sich Hellofresh-Aktionäre einstellen. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang um drei bis acht Prozent gegenüber den 7,66 Milliarden Euro, die 2024 erzielt wurden. Marktbeobachter waren von einem Plus ausgegangen. Die Aktie stürzt am Vormittag auf das niedrigste Niveau seit mehreren Monaten.
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll unterdessen von 399 Millionen im Vorjahr auf 450 bis 500 Millionen Euro steigen.
Die bereinigte Ebitda-Marge lag 2024 laut Unternehmensangaben bei 5,2 Prozent, nach 5,9 Prozent im Vorjahr. Die Ebit-Marge sank von 3,0 auf 1,8 Prozent.
Insbesondere im zweiten Halbjahr habe man starke Fortschritte bei der Rentabilität im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, so Hellofresh in der Mitteilung zu den Eckdaten für 2024. So wurden Sparmaßnahmen eingeleitet und die Marketingausgaben reduziert.
Im vierten Quartal konnten die Berliner die Marge bei den Kochboxen von 11,4 Prozent auf 14,1 Prozent ausweiten, bei den Fertiggerichten kam dieser Wert von minus 4,2 Prozent auf 5,3 Prozent voran. Das bereinigte Ebitda erreichte im Schlussquartal 164,3 Millionen Euro, nach 113,6 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Das bereinigte Ebit kam von 49,7 Millionen Euro auf 95,2 Millionen Euro voran. Die entsprechende bereinigte Ebit-Marge verbesserte sich von 2,7 Prozent auf 5,3 Prozent.
Kostensenkungen und ein Fokus auf so genannte „hochwertigere“ Kunden sollen das Unternehmen wieder auf den Erfolgspfad führen. Gemeint sind damit Kunden, die im Durchschnitt bei ihren Bestellungen mehr Geld ausgeben. Dafür ist Hellofresh bereit, Abstriche beim Volumenwachstum zu machen. In der Vergangenheit hatte das MDAX-Mitglied auf Werbemaßnahmen wie Gutscheine und Rabattaktionen gesetzt, um neue Kunden von seinen Kochboxen und Fertiggerichten zu überzeugen.
Analysten zeigten sich ernüchtert vom Ausblick. Die Schweizer Bank UBS etwa meldete Bedenken in Bezug auf die nachhaltige Profitablität des Unternehmens an. Analyst Jo Barnet-Lamb bewertet den Titel weiter mit „neutral“ und sieht ein Kursziel von 13 Euro. JPMorgan-Analyst Marcus Diebel wertete das Gewinnziel zwar als Enttäuschung, sieht die Aktie aber unverändert als Kauf mit einem Kursziel von 15 euro. Bei Bernstein Research lautet das Votum weiterhin „Market Perform“ bei einem Kursziel von 12,50 Euro.
Kochboxen, die alle nötigen Zutaten für eine selbst zubereitete Mahlzeit in der passenden Menge enthalten, sind mit einem Umsatzanteil von rund zwei Dritteln das Hauptgeschäft von Hellofresh, allerdings sinkt das Interesse der Kundschaft. Dem will man mit begegnen, in dem das Geschäft mit Fertiggerichten ausgebaut wird. Seit kurzem sind diese fertigen Mahlzeiten auch in Deutschland erhältlich, unter anderem in den USA und Kanada beliefert Hellofresh schon länger Kunden damit.
Den vollständigen Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2024 will Hellofresh am 13. März 2025 veröffentlichen.
Fazit
Das charttechnische Bild bei Hellofresh hat sich deutlich eingetrübt. Anleger halten sich bis auf Weiteres fern.
Enthält Material von dpa-AFX