Wie entfesselt ist am Montag die Aktie von Thyssenkrupp. Sie legt deutlich zweistellig zu und überwindet erstmals seit April letzten Jahres wieder die Marke von fünf Euro. Auslöser für die Euphorie ist ein Analystenkommentar der Bank of America, der Spekulationen um einen Börsengang der Marine-Tochter befeuert.

Bis auf 5,60 Euro kletterten die Thyssenkrupp-Papiere am Montag. Zur Stunde steht ein Plus von mehr als 17 Prozent zu Buche. Wenig überraschend grüßen die Essener damit zum Wochenauftakt von der Spitze des MDAX. Dabei hatte der Konzern vergangene Woche noch die eigene Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigieren müssen (€uro am Sonntag berichtete).

Der heutige Kurssprung geht in Teilen auf eine bullishe Einschätzung von Jason Fairclough zurück. Der Analyst der Bank of America (BofA) bekräftigte in einer am Montag vorliegenden Studie seine Kaufempfehlung für die Aktie des Stahlkonzerns. Gleichzeitig bestätigte er das Kursziel von acht Euro. Besonders „positiv“ zu bewerten wäre laut Fairclough ein Börsengang der Marine-Sparte. Das Geschäftsfeld war schon im ersten Quartal dank eines Milliarden-Auftrags einer der wenigen Lichtblicke bei den Essenern.

Ein IPO von „Marine Systems“ könnte dazu führen, dass der Konzern eher als Rüstungs- denn als Stahltitel bewertet werde, so die Überlegung des BofA-Analysten. Derartige Gedankenspiele fallen bei Anlegern aktuell auf fruchtbaren Boden: Die Erwartung an weiter steigende Rüstungsausgaben haben am Montag auch die Aktien von Rheinmetall, Renk und Hensoldt kräftig angetrieben (mehr dazu lesen Sie hier).

Der Kurssprung dürfte auch Leerverkäufer auf dem falschen Fuß erwischt haben. Laut dem Bundesanzeiger waren zu Wochenbeginn rund drei Prozent der Papiere in der Hand von Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt haben. Um im Falle einer dynamischen Aufwärtsbewegung die eigenen Verluste zu begrenzen, müssen die Spekulanten sich am Markt eindecken und treiben damit den Kurs weiter an.

Thyssenkrupp (WKN: 750000)

Seit die Thyssenkrupp-Aktie im Oktober letzten Jahres bei 2,77 Euro ihr Allzeittief markiert hatte, läuft die Erholung. Mit dem Kurssprung vom Montag sind die Papiere auch in der Zwölf-Monatsbetrachtung in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Fazit

Keine Frage, das Marinegeschäft ist ein attraktives Asset innerhalb des Konzerns. Wie schnell das Management um CEO Miguel Lopez einen Börsengang der Tochter realisieren kann – beziehungsweise, ob dieser überhaupt geplant ist –, ist fraglich. Klar ist dagegen, dass die Essener weiterhin vor einer ganzen Reihe an Herausforderungen stehen, unter anderem dem (Teil-)Verkauf der Stahlsparte.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Thyssenkrupp.